Wir schlafen alle insgesamt zu wenig

Interview mit Dr. Werner Miller, Mitarbeiter der BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH und Betriebsarzt, über den Schlaf im allgemeinen und bei Schicht- und Nachtarbeitern.
Herr Dr. Miller, Sie sind Gesundheitsexperte und als Betriebsarzt unter anderem in den Zieglerschen tätig. Was bedeutet eigentlich gesunder, guter Schlaf?

Im Grund ist es so: Wir können von gutem Schlaf sprechen, wenn der Körper die Menge Schlaf bekommt, die er auch tatsächlich braucht. Unter gut verstehe ich aber auch, dass man sich auf seinen Schlaf freut. Schlaf ist mehr als nur die Befriedigung eines Grundbedürfnisses. Wenn man morgens aufwacht und sagen kann, ja, ich habe heute Nacht gut geschlafen, dann ist es in der Tat gut. Guter Schlaf eben.

Ab wann sprechen wir von Schlafstörungen?

Es gibt ja offizielle Empfehlungen, was ein guter, gesunder Schlaf ist. Am besten ist es, man schläft durch, wacht vielleicht maximal ein, zweimal kurz auf, um zum Beispiel auf die Toilette zu gehen. Kinder schlafen etwas länger als Erwachsene. Im Durchschnitt sollten es bei Erwachsenen bis zu sieben, acht Stunden Schlaf pro Tag sein. Aber Schlaf ist nicht gleich Schlaf, die Qualität des Schlafs ist genauso entscheidend. Die abwechselnden Schlafphasen, also Tiefschlaf und Phasen mit erhöhter Gehirnaktivität, sollten in der Norm liegen. Weicht das persönliche Schlafverhalten auf Dauer davon ab, spricht man von einer Störung des Schlafs. Die Fachleute sind sich aber grundsätzlich einig, dass wir insgesamt zu wenig schlafen.

Wie kann sich Schicht- oder Nachtarbeit auf den Schlaf auswirken?

Die Nacht ist zum Schlafen da. Wer also nachts arbeitet, verhält sich gegen seinen natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Folgen sind u. a. Müdigkeit am Tag. Der Tagschlaf bei Nachtarbeitern kann den Nachtschlaf nicht ersetzen. Mit zunehmendem Alter fällt es uns Menschen schwerer, diesen berufsbedingten Schlafmangel zu kompensieren. Wer im Schichtbetrieb arbeitet, ist davon auch betroffen. Vor dem Einschlafen benötigen wir eine Entspannungsphase. Kommt die zu kurz, wenn wir zum Beispiel erst später abends von der Arbeit nach Hause kommen, können das Einschlafen und Durchschlafen gestört werden.

Unser Schlafverhalten verändert sich im Laufe eines Lebens. Wie sieht es da im Alter aus?

Der ältere Mensch braucht in der Regel weniger Schlaf. Hinzu kommt, dass im Alter verschiedene Erkrankungen oder Schmerzen den Schlaf quantitativ wie qualitativ beeinträchtigen können. Mit zunehmendem Lebensalter spielt häufig auch die sogenannte Schlafapnoe, also Atemaussetzer im Schlaf, eine Rolle. Diese Schlafapnoe kann sich unter Umständen massiv auf die Gesundheit auswirken. In vielen Fällen können solche Schlafstörungen durch entsprechende Behandlung gebessert werden.

Wie würden Sie Ihren Schlaf beurteilen?

Wie bei vielen verändert sich natürlich auch mein Schlaf. Ich schlafe in der Regel gut ein, wache aber zurzeit öfters in der Nacht auf. Das liegt sicher an den Tagesereignissen, die ich erlebe. Diese beschäftigen mich wohl auch im Schlaf. Die Folge ist, dass ich am nächsten Tag nicht so erholt bin wie ich mir das wünsche. Ich weiß, dass ich hier auf die Rahmenbedingungen am Tag achten und diese verbessern muss.

Herzlichen Dank für das Interview!

Harald Dubyk