Sehnsucht nach Heimat

Impulse von Pfarrer Gottfried Heinzmann
Ein Vogelnest. Ich entdecke es in der Fachklinik Höchsten. Im Vorbeigehen denke ich: »Wie passt das hierher? Zu diesem modernen Gebäude?« Mein Ziel ist die Kapelle am Siebenkreuzerweg. Ich trete ein. Die Wände vermitteln Schutz und Geborgenheit. Das Glasfenster taucht den Raum in ein angenehmes Licht. Auf der Bank entdecke ich ein Gebetbuch. Ich setze mich und beginne zu blättern. Mehr und mehr nehmen die handschriftlichen Einträge meine Aufmerksamkeit gefangen. Erschreckt spüre ich beim Lesen die Angst einer Frau. Die schwierige Beziehung zu ihrem Mann, die Sorge um die Kinder finden ihren Ausdruck im Gebet. »Hilf mir, wenn ich wieder nach Hause komme.« Auf einer nächsten Seite ein knapper Satz: »Ich bin wieder rückfällig geworden. Warum?« Enttäuschung über sich selbst, Frustration über die eigenen Fehler – auch das findet den Weg zu Gott. Dicht daneben ein Dankgebet. »Danke, du hast mir geholfen, von meiner Sucht loszukommen. « Ich werde angesteckt von der Freude darüber, dass Gott dieser Frau einen neuen Weg eröffnet hat. Das Vogelnest kommt mir wieder in den Sinn. Und ein Bibelvers. Ich gehe zum Altar und schlage die Bibel bei Psalm 84 auf. »Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und und meine Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen.« So gesehen passt das Vogelnest doch sehr gut hierher. Als Zeichen für die Frauen, die hier in Behandlung sind. Und als Ermutigung zum Gebet für uns alle: »Herr, mein Gott, ich sehne mich nach Heimat und Geborgenheit. Sei du mir Hilfe und Halt, gib mir Orientierung und Kraft, lass mich leben mit dir.«

Mit dieser Ausgabe beginnen wir die neue Reihe »Impulse« – Gedanken und Reflektionen von Pfarrer Gottfried Heinzmann. Heinzmann ist Fachlich-theologischer Vorstand der Zieglerschen.