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Kinder Kinder sein lassen- Ferienfreizeit Altshausen

23.08.2016 | Von Rainer Kössl | Hör-Sprachzentrum

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"Möglichst wenig Action outside und möglichst viel Miteinander in der vorübergehenden Heimat" - das wünschte sich Daniel Strohm, selbstständiger Heilpädagoge aus Wilhelmsdorf und Cheforganisator der vier Ferienfreizeiten in Altshausen für die gemeinsame Zeit. Kinder und Betreuer fanden's super- wie man unschwer erkennen kann. (Foto: privat).

Zum elften Male Ferienfreizeit für Kinder aus einkommensschwachen Familien auf dem Gelände der Leopoldschule Altshausen

Was ihm denn in dieser Ferienwoche am besten gefallen habe? Der 10-jährige Peter aus dem Landkreis Biberach antwortet ohne zu zögern: „Das Versteckspiel im dunklen Haus“. Auch sein Freund Joachim hat es mit der Dunkelheit: „ Das Geländespiel nachts mit der Taschenlampe auf dem Schulgelände.“ Zwei Mädchen wollen es kuscheliger: „ Am schönsten war es, wenn wir abends mit den Erzieherinnen gemütlich zusammengesessen sind und geratscht und gelacht und gespielt haben.“

Daniel Strohm, selbstständiger Heilpädagoge aus Wilhelmsdorf und Cheforganisator der vier Ferienfreizeiten auf dem wunderbaren Grün der Altshausener Leopoldschule hat seine genauen Vorstellungen von solch einem Unternehmen: Möglichst wenig Action outside und möglichst viel Miteinander in der vorübergehenden Heimat. Ein Besuch in Hügles Maislabyrinth in Ravensburg ist schon drin, sogar ein Ausflug nach Scheidegg zum Sky Walk. Und die Pizzeria darf auch nicht fehlen.

Ansonsten aber zeigt ein Besuch Mitte August im Ferienlager, was Daniel Strohm am Herzen liegt: Zwei Buben schnappen sich ein tragbares Fußballtor und waren nicht mehr gesehen. Eine Betreuerin nimmt sich die langen schwarzen Haare eines etwa zehnjährigen Mädchens vor und pflegt sie liebevoll. Deren Freundin genießt derweil die Nackenmassage durch eine andere Erzieherin. Zwei Buben (wohlgemerkt Buben ) lassen sich ihre Lippen rot anmalen, flüchten sich aber, als sie den fremden Gast wahrnehmen. Der Besucher hat das Gefühl: Hier ist ein zartes Miteinander entstanden, das nicht gestört werden will.

Daniel Strohm: „Wir sind keine Therapieeinrichtung. Wir begeben uns mit den Kindern zusammen in einen Prozess des Spiels und der Erholung“. Und der Heilpädagoge geht noch einen Schritt weiter: „Ich plädiere für eine gesunde pädagogische Naivität.“ Sechs Betreuer kümmern sich um die jeweils zehn Kinder, vier bei Tag und zwei in der Nacht. Zusammen bilden die jungen Erwachsenen ein Team, dem Gesamtleiter Daniel Strohm weitgehende Autonomie gewährt. Auf die Frage, warum dieses Modell funktioniere, gibt er eine verblüffend einfache Antwort: „Weil die jungen Leute wissen, dass sie Fehler machen dürfen“.

Einfach war es nicht, genügend Betreuerinnen und Betreuer für dieses Unternehmen zu finden. Sie erhalten nur eine geringe Aufwandsentschädigung. Dennoch, Daniel Strohm scheint ein Händchen dafür gehabt zu haben, junge Erwachsene zu finden, die seiner Vorstellung von Ferienfreizeiten mit Kindern entgegen gekommen sind. Junge Erwachsene, die in erzieherischen Fragen noch ganz unerfahren waren, wurden von Mitarbeitern, die schon eine oder mehrere solche Ferienfreizeiten absolviert hatten, an die Hand genommen. Außerdem ermöglichten die Zieglerschen ihren Auszubildenden in der Verwaltung eine ganz neue Erfahrung: Ein Woche oder mehr weg vom Büro und vom PC hin zur Arbeit mit Kindern aus prekären Verhältnissen. Es sei eine „riesige Erfahrung“ gewesen, hört man von einer Teilnehmerin.

Bezahlt wurde diese kinderfreundliche Einrichtung von den Zieglerschen sowie von der „ Stiftung Kinderland“ des Landes Baden – Württemberg und der TD Erwerbergesellschaft mbH. Angedacht ist, dieses Kinderland in Zukunft auch für Kinder aus Flüchtlingsfamilien zu öffnen.

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