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Sprach- und Kulturtrainings für Wilhelmsdorfer Flüchtlinge

30.03.2016 | Von Matthias Braitinger | Die Zieglerschen

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Selbst zu kochen, haben einige der jungen Asylbewerber nie gelernt. Dank der spendenfinanzierten Kulturtrainings konnten sie das nachholen und dabei gleich neue Talente an sich entdecken. / Foto: privat

Im vergangenen Jahr bat der wilhelmsdorfer Helferkreis Asyl gemeinsam mit den Zieglerschen und dem Diakonischen Institut für Soziale Berufe um Spenden für Sprach- und Kulturtrainings für die in Wilhelmsdorf lebenden Asylbewerber. Dank zahlreicher Spenderinnen und Spender konnte das Projekt umgesetzt werden.

Seit 2013 sind auch in Wilhelmsdorf Flüchtlinge. Mittlerweile leben dort fast 100 Menschen aus Syrien, Nigeria, und Gambia. Vor gut zwei Jahren gründeten engagierte Menschen in Wilhelmsdorf den Helferkreis Asyl. Leiterin ist Elke Schübert, Mitarbeiterin der Gotthilf-Vöhringer-Schule. Diese gehört zum Diakonischen Institut für soziale Berufe. Elke Schübert weiß, was sich Flüchtlinge wünschen: Arbeit und "ein ganz normales Leben". Darum plante der Helferkreis gemeinsam mit der Gotthilf-Vöhringer-Schule ein besonderes Projekt: Nach Unterrichtsschluss sollten dort Flüchtlinge drei Mal pro Woche Deutsch lernen und mehr über die deutsche Kultur erfahren. Vor allem aber sollten sie – mit Hilfe von angehenden ArbeitserzieherInnen und HeilerziehungspflegerInnen – verschiedene Arbeitsfelder, auch durch Praktika, ausprobieren und herausfinden, welcher Beruf am besten zu ihnen passt. Alle Teilnehmer durchliefen zudem eine Hygieneschulung, die von einer Mitarbeiterin des Landratsamts Ravensburg angeboten wurde.

Für das Projekt gab es kein öffentliches Förderprogramm. Darum musste das Ganze ausschließlich aus Spenden finanziert werden. Prof. Dr. Harald Rau, Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen, sagte seine Unterstützung zu. So starteten die Zieglerschen im letzten Herbst einen Spendenaufruf. Diesen Januar war es dann so weit. Das Geld war beisammen und die Verantwortlichen konnten loslegen. Voller Elan erprobten sich viele Flüchtlinge unter fachkundiger Anleitung in verschiedenen Arbeitsfeldern wie Holz- und Metallbearbeitung, Hauswirtschaft oder auch Kochen. So wurde ein Regalsystem aus Holz für die neue Wilhelmsdorfer Kleiderkammer hergestellt und eingebaut. Immer mittwochs kochten ein Dozent und die teilnehmenden Flüchtlinge gemeinsam internationale Gerichte. Natürlich gab es auch regelmäßigen Deutschunterricht. Denn Spracherwerb ist der Schlüssel für die erfolgreiche Integration.

Für Pauli Aguwa aus Nigeria war das Projekt ein voller Erfolg: "Mir gefällt es dort echt gut. Bei den Trainings lerne ich viel und die Atmosphäre ist toll. Hoffentlich hilft mir das Projekt, einen Job als Reinigungskraft zu finden. Doch dafür muss mein Deutsch noch besser werden." Nicht nur für die Flüchtlinge sind die Sprach- und Kulturtrainings ein Gewinn. Denn Integration ist keine Einbahnstraße. Auch die angehenden pädagogischen Fachkräfte lernen jede Menge dazu. "Die Arbeit ist für alle eine Bereicherung. Nach dem Projekt werde ich auf jeden Fall den Kontakt mit den Flüchtlingen halten und mithelfen, dass sie einen Arbeitsplatz finden", sagte ein Auszubildender der Gotthilf-Vöhringer-Schule.



Ausschnitt Spendenmailing Asylbewerber-Projekt



2015 hatte die Leiterin des Helferkreises Asyl Elke Schübert mithilfe der Zieglerschen um Spenden für das Projekt gebeten. / Bild: Die Zieglerschen

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