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Landtagsabgeordneter informiert sich über Forderungen zu Pflege und Inklusion

16.01.2017 | Von Sarah Benkißer | Die Zieglerschen

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Monika Materna (3. von links) zeigte Karl Rombach (2. von rechts) stolz ihr Haus, das Seniorenzentrum Im Welvert. Foto: Sarah Benkißer (Die Zieglerschen)

Bei einem Besuch im Seniorenzentrum Im Welvert der Zieglerschen in Villingen hat sich der CDU-Landtagsabgeordnete Karl Rombach MdL über die Forderungen des diakonischen Sozialunternehmens zu Nachbesserungen in der Sozialgesetzgebung informiert. Vor allem die zahlreichen Auflagen für Pflegeheime und der Fachkräftemangel in der Pflege, aber auch die Entwicklungen in der Behindertenhilfe waren Thema.

Seit 2015 gibt es im Villinger Wohngebiet "Im Welvert" das Seniorenzentrum der Zieglerschen, geleitet von Monika Materna. Sie ist auch gleich die Erste, an die sich der CDU-Landtagsabgeordnete Karl Rombach MdL in der Begrüßungsrunde persönlich wendet: "Ihre zupackende Art gefällt mir. Die ist mir schon bei der Eröffnung damals aufgefallen", berichtet er und erklärt, warum er der Einladung der Zieglerschen gerne gefolgt ist: "Ich möchte meine Wertschätzung gegenüber denen ausdrücken, die mit unendlich viel Herzblut im Stillen Dienst am Menschen erbringen." Dass genau an diesen Menschen auf dem Arbeitsmarkt seit einigen Jahren großer Mangel herrscht, ist eines der Themen, die Pflegeexperten wie Monika Materna Sorgen bereiten. "Wir haben noch zehn Zimmer frei, die wir eigentlich belegen könnten, aber uns fehlen dafür noch zwei Mitarbeiter", berichtet sie Rombach bei seinem Besuch.

"In der Pflege hat sich in den vergangenen Jahren viel Positives getan, dafür sind wir dankbar", hielt Rolf Baumann, kaufmännischer Vorstand der Zieglerschen, fest. Dennoch gebe es eine Reihe von Themen, die den Alltag in der Pflege erschwerten. Die Vielzahl neuer Gesetze und Verordnungen – wie das Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz (WTPG) oder die neue Landespersonalverordnung – hätten eine Bürokratie aufgebaut, die oft über das Ziel hinausschieße, so Baumann. Hier erhofften sich die Träger von Pflegeeinrichtungen wie die Zieglerschen von der Landesregierung Nachbesserungen. Als Beispiel nannte Baumann unter anderem, dass Einrichtungsleitungen wie Monika Materna durch die Landespersonalverordnung Gefahr laufen, "kriminalisiert" zu werden. Nach drei Ordnungswidrigkeiten – worunter bereits ein nicht korrekter Aushang von Prüfberichten falle – verlören sie dauerhaft die Eignung, als Einrichtungsleitung tätig zu sein. "Stellen Sie sich vor, ein Handwerker, bei dem drei Mal ein Mangel festgestellt wird, müsste seinen Meisterbrief zurückgeben", verdeutlichte Rolf Baumann die Problematik im Gespräch mit Rombach. Sven Lange, Geschäftsführer in der Altenhilfe der Zieglerschen, forderte: "Diese Bestimmung sollte aus der Landespersonalverordnung gestrichen werden. Dieses Vorgehen ist aus unserer Sicht unverhältnismäßig. Und es macht die Position der Einrichtungsleitung in Zeiten des ohnehin schon herrschenden Fachkräftemangels unattraktiv."

Auch ein wichtiges Thema aus der Behindertenhilfe – nach der Altenhilfe der zweitgrößte Arbeitsbereich der Zieglerschen, die an über 50 Standorten in Baden-Württemberg diakonische Arbeit für jährlich rund 6.500 Menschen leisten – wurde im Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten Rombach angeschnitten: Die Weiterentwicklung von großen, sogenannten "Komplexeinrichtungen" der Behindertenhilfe im Sinne der Inklusion. Diese „Konversion“ werde notwendig, so Vorstand Rolf Baumann, weil derzeit viele Wohnplätze für Menschen mit Behinderung in kleine wohnortnahe Angebote "dezentralisiert" würden, um ein flächendeckendes, wohnortnahes Angebot in allen Teilen des Landes aufzubauen. Dadurch würden in den bisherigen Einrichtungen Gebäude und Flächen frei, die die Träger gerne im Sinne der Inklusion weiterentwickeln wollten. So könnten dort z.B. reguläre Wohngebiete oder Gewerbeflächen entstehen. Die Standortgemeinden und Landkreise seien selbst sehr an solch einer Entwicklung interessiert. Einen Strich durch die Rechnung mache den Akteuren jedoch das Bebauungsrecht, das für Inklusion derzeit nicht ausgelegt sei. Uwe Fischer, Behindertenhilfe-Geschäftsführer der Zieglerschen, brachte das Dilemma so auf den Punkt: "Die Sozialpolitik sagt uns: 'Auf den frei werdenden Flächen kann künftig alles stattfinden, aber keine Arbeit mit Menschen mit Behinderung mehr.' Das Bebauungsrecht hingegen sagt: 'Ihr dürft dort alles hinbauen, solange es von Menschen mit Behinderung genutzt wird.' Wir wünschen uns, dass die Landespolitik hier mit einer Stimme spricht." Als Lösungsansatz für die komplexe Problematik schlug Vorstand Rolf Baumann ein "Konversionprogramm" analog zu dem Programm für ehemalige Bundeswehrstandorte vor, um die Entwicklung dieser Flächen zu ermöglichen.

Karl Rombach MdL begegnete den Forderungen der Zieglerschen mit Offenheit und Interesse an der Sache. "Sie glühen für Ihre Themen, das merke ich", konstatierte er am Ende des Gesprächs. Er werde die Punkte mitnehmen und mit den jeweiligen Experten in der CDU-Fraktion besprechen. Die inhaltliche Arbeit sei ihm sehr wichtig. Den Austausch mit den verschiedenen Akteuren wie den Zieglerschen suche er bewusst, getreu seinem Slogan: "Mit mir kaa mer schwätze!", so Rombach.

Bei einem gemeinsamen Rundgang mit Rombach stellte Einrichtungsleitung Monika Materna dem Abgeordneten aus dem Wahlkreis Villingen-Schwenningen "ihr Haus" vor: Insgesamt 90 Einzelzimmer umfasse das Pflegeheim. Aufgrund der sogenannten "Wohngruppenkonzepts", fällt diese Größe jedoch nicht besonders auf. Denn die Zimmer sind so angeordnet, dass immer höchstens fünfzehn Personen gemeinsam in einem Wohnbereich leben, in dessen Zentrum je ein großes Wohnzimmer mit offener Wohnküche liegt. Sogenannte "Wohnbegleiter", die sich um die Freizeitgestaltung und die Essensverpflegung der Senioren kümmern, sollen für eine familiäre Atmosphäre im Haus sorgen.  Dass dieses Konzept gut ankommt, hat Monika Materna schnell gemerkt: "Schon in der zweiten Woche lag eine Bewohnerin hier quer auf dem Sofa und hat Fernsehen geguckt. Da wusste ich: Das Konzept ist aufgegangen!"

Bei seinem Besuch sagte Karl Rombach MdL: "Die Pflege ist mir ein Herzensanliegen in meiner politischen Arbeit." Rombach hatte am 2013 gegründeten Runden Tisch Pflege im Schwarzwald-Baar-Kreis mitgewirkt und zahlreiche Kontakte zwischen Vertretern der Pflege aus dem Landkreis und der Landespolitik vermittelt. "Die verschiedenen Gespräche, die dadurch zustande kamen, haben 2014 zur Einsetzung der Enquetekommission 'Pflege in Baden-Württemberg zukunftsorientiert und generationengerecht gestalten' durch den Landtag mit beigetragen", berichtet Rombach. Im Januar 2016 hatte diese Enquetekommission dem Landtag ihren Abschlussbericht vorgelegt, dessen Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Pflege auch Eingang in den Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen fanden.


 

Karl Rombach (4. von rechts) hatte ein offenes Ohr für die sozialpolitischen Forderungen der Zieglerschen. Foto: Sarah Benkißer (Die Zieglerschen)

Abgebildete Personen v.l.n.r.: Andreas Eger (Regionalleiter West, Altenhilfe der Zieglerschen), Sven Lange (Geschäftsführer Altenhilfe der Zieglerschen), Rolf Baumann (kaufmännischer Vorstand der Zieglerschen), Uwe Fischer (Geschäftsführer Behindertenhilfe der Zieglerschen), Monika Materna (Einrichtungsleitung Seniorenzentrum Im Welvert), Karl Rombach MdL (CDU), Elisabeth Schmieder (Regionalleitung Nord, Altenhilfe der Zieglerschen), Matthias Ketterer (Wohnbereichsleitung Seniorenzentrum Im Welvert), Christiane Vollprecht (Pflegedienstleitung/ stv. Einrichtungsleitung Seniorenzentrum Im Welvert)

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