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Helfen in der Gemeinschaft sorgt für Zufriedenheit

05.01.2017 | Von Harald Dubyk | Die Zieglerschen

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Ilse Ruetz hilft bei der Vesperkirche.

Ilse Ruetz und Sabrina Wiedemann sind zwei von über 400 Helfer der Vesperkirche

Wochenlang saß ein kleines Team um Ilse Ruetz über den Einsatzplänen für das Spendenprojekt Ravensburger Vesperkirche. Nun steht der Einsatzplan für über 400 ehrenamtliche Helfer. Damit wurde die Zahl der letzten Vesperkirche in Ravensburg 2015 nochmals übertroffen. Damals meldeten sich rund 350 Helfer. Ilse Ruetz – selbst ehrenamtlich für die Vesperkirche tätig – engagiert sich von Beginn an. 2009 mehr aus Neugierde eingestiegen, ist die Ravensburgerin inzwischen mit vielen organisatorischen Aufgaben betraut – und nicht mehr wegzudenken.

Aus 40 Gemeinden kommen die Helfer der Vesperkirche Ravensburg. Zwei davon sogar aus der Schweiz. Die meisten stammen aus Ravensburg (171 Helfer) und Weingarten (42), die anderen aus Gemeinden rund um das Schussental, von Wolfegg bis Wilhelmsdorf, und den benachbarten Landkreisen. Im Schnitt sind 90 Ehrenamtliche pro Tag in zwei Schichten im Einsatz. Die Aufgaben sind vielfältig: Essen ausgeben, Gäste begrüßen, Tische abräumen, Gespräche führen „Damit leisten sie in Summe rund 6300 Ehrenamtsstunden für die Vesperkirche", sagt Mitorganisator Harald Dubyk von den Zieglerschen. Die große Nachfrage ist für ihn nach inzwischen vier selbst mitorganisierten Vesperkirchen nicht mehr verwunderlich. „Die Stimmung ist gut, es ist immer was los, das Ehrenamt ist attraktiv und man muss sich nicht zu sehr binden wie zum Beispiel für ein längerfristiges Engagement im Verein." Aber das Ehrenamt in der Vesperkirche sei für viele ein wichtiger Berührungspunkt für gesellschaftliche Arbeit und so vielleicht für manchen die Eintrittskarte für ein späteres ehrenamtliches Engagement irgendwo anders, glaubt Dubyk.


Ilse Ruetz ist seit Anfang an mit dabei. „Damals kam im Freundes- und Bekanntenkreiskreis immer wieder das Thema auf, was genau ist Vesperkirche? Ich hatte keine konkrete Vorstellung und meldete mich wohl auch aus Neugier bei den Veranstaltern an", erzählt sie. Das war Ende 2008. „Als ich dann am ersten Tag zum Einsatz kam, war ich total überwältigt von der Atmosphäre in der Stadtkirche und genauso verwundert, wie viele Menschen sich als Gäste und Ehrenamtliche eingefunden hatten. Schnell kam man mit unterschiedlichen Menschen ins Gespräch und ich wusste sofort, ich möchte mehr darüber wissen."


Ihr Engagement hat sich im Laufe der Jahre verändert. „In den ersten Jahren mussten abends noch Schürzen und Tischdecken gewaschen und gebügelt werden, was heute die Profis machen", erzählt Ilse Ruetz. „Inzwischen bin ich mehr in die organisatorischen Aufgaben eingebunden, unterstütze die Diakonie und die Zieglerschen bei der Planung für den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer und springe da ein, wo es notwendig ist." Ehrenamt sei für sie Ehrensache: „Ich hatte viel Glück im Leben, angefangen bei meinem Elternhaus, von dem ich in allem unterstützt wurde. Für mich ist es selbstverständlich, etwas von diesem Glück weiter zu geben."

 

Sabrina Wiedemann

Vor zwei Jahren arbeitete Sabrina Wiedemann aus Wolfegg des erste Mal in der Vesperkirche mit. Damals war sie für den Empfang der Gäste eingeteilt. „Meine erste Vesperkirche hat mich sehr beeindruckt. Ich war sofort mitten drin und voll dabei. Was heute, nach zwei Jahren, immer noch präsent ist, war die Äußerung einer älteren Dame: ,Heute möchte sie sich etwas gönnen'. Das regt zum Nachdenken an, sorgt für Bodenhaftung", erzählt Sabrina Wiedemann. „Ich betrachte die Vesperkirche als persönliche Bereicherung. Gute Gespräche - für Gäste wie Helfer. Sie hat Spuren hinterlassen." Und sie ergänzt: „Helfen in der Gemeinschaft macht Spaß, es hinterlässt Zufriedenheit."


Vorfreude aufs Helfen in der Vesperkirche herrscht auch untern den Mitarbeitern und Kunden der Ambulanten Dienste der Zieglerschen. „Manche von uns waren schon einmal dabei, andere helfen das erste Mal mit", sagt Ulrike Graf vom Ravensburger Büro der Ambulanten Dienste. „Durch die Mitarbeit in der Vesperkirche wird beispielhaft der positive Wert des ehrenamtlichen Engagements von Menschen mit und ohne Behinderung in das Bewusstsein der Bürger gebracht. Auch Menschen mit Behinderung wollen einen aktiven Beitrag für die Gesellschaft und das Gemeinwohl einbringen und Verantwortung übernehmen."


Wer die Vesperkirche Ravensburg finanziell unterstützen möchte kann dies unter folgender Bankverbindung tun: Evangelische Bank eG, IBAN DE26 5206 0410 0000 5554 44, Stichwort Vesperkirche 2017. Mehr Informationen unter www.vesperkirche-ravensburg.de.

 

Nachgefragt bei Ravensburgs Oberbürgermeister Daniel Rapp

„Signal in die ganze Region"

Welche Bedeutung hat die Vesperkirche für die Stadt Ravensburg und Ihre Menschen?
Schön ist, dass die Vesperkirche für die Armen gedacht, aber für alle offen ist. Sie wird dadurch zu einem besonderen Ort der Begegnung, der Solidarität und des Zusammenhalts. Ein Ort gegen Einsamkeit und Rückzug. Der große ehrenamtliche Einsatz bei der Vesperkirche ist immer wieder beeindruckend.

Welchen Beitrag konkret kann die Vesperkirche für den Sozialraum Schussental bieten?
Die Vesperkirche setzt ein Signal in die ganze Region, Menschen mit wenig Geld mehr in den Blick zu nehmen. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird tiefer, immer mehr Menschen können sich die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht so leisten, wie es sein sollte.

Wie sieht Ihre persönliche Unterstützung der Ravensburger Vesperkirche aus?
Gemeinsam mit Erster Bürgermeister Simon Blümcke werde ich am 7. Februar bei der Essensausgabe helfen. Die Stadt bringt sich außerdem mit Leistungen des Betriebshofes ein und beteiligt sich an Kosten.

 

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