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Multiprofessionelles Team begleitet Menschen mit Behinderung im Alter

22.06.2017 | Von Birgit Stöhr | Behindertenhilfe

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Team Haus Schild

Das „Haus Schild“ ist eine Einrichtung speziell für Menschen mit einer geistigen Behinderung und einer Hör-Sprachbehinderung, die gleichzeitig aufgrund ihres Alters oder anderer Umstände einen Pflegebedarf haben. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Arbeit im Haus ist ein multiprofessionelles Team, das vor allem aus Altenpflegern und Heilerziehungspflegern besteht.

Doch auch im Haus Schild wird der Fachkräftemangel unter den Pflegekräften zunehmend spürbar.
„Für mich war es die beste Entscheidung meines Lebens, hier die Ausbildung zu beginnen", sagt Nadja Nitsch mit leuchtenden Augen. Die 50-jährige ist eigentlich gelernte Bürokauffrau. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, fiel ihr die Berufsrückkehr nicht leicht, sie suchte nach einer neuen Aufgabe und landete per Zufall als hauswirtschaftlich-pädagogische Assistentin auf einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderung der Zieglerschen in Wilhelmsdorf. „Birgit Stöhr, die Einrichtungsleitung hier im Haus Schild, hat mir dann die Chance zum Probearbeiten gegeben", erzählt Nadja Nitsch. Ihr Entschluss, die Ausbildung zur Altenpflegerin zu beginnen, reifte in kürzester Zeit. „In sieben Monaten von der Reinigungskraft zur Azubi, das gibt's auch selten", sagt sie lachend. Dass es die richtige Entscheidung war, steht für Nadja Nitsch schon im ersten Ausbildungsjahr fest: „Mich kriegt keiner mehr ins Büro!"
Das Haus, von dem Nadja Nitsch so begeistert erzählt, ist das Haus Schild, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, das die Zieglerschen 2011 eröffneten. Die besondere Herausforderung, Menschen mit Behinderung zu betreuen, die im Alter pflegebedürftig geworden sind, ist bei der Suche nach Fachkräften Chance und Hindernis zugleich, weiß Einrichtungsleitung Birgit Stöhr. „Unser familiäres und multiprofessionelles Team aus Alten- und Heilerziehungspflegern ist unsere große Stärke", erzählt Stöhr, die selbst Altenpflegerin ist, die Pflege aber immer besonders geschätzt hat. Gerade die Heilerziehungspfleger jedoch, die bisher an die pädagogische Arbeit auf Wohngruppen für erwachsene Menschen mit Behinderung gewöhnt seien, schreckten oft vor einem Wechsel in das Pflegeheim zurück, sagt Birgit Stöhr bedauernd und erläutert: „Wir arbeiten hier natürlich auch pädagogisch. Aber wir sind halt auch ein Pflegeheim mit dem entsprechenden Zeitdruck bei der Grundpflege und allen Auflagen eines stationären Seniorenheims. Bei uns kommt wie in jedem Pflegeheim regelmäßig der MDK [Anm. Medizinische Dienst der Krankenkassen]. Aber auch wenn das Ansehen der Pflege in den vergangenen Jahren ziemlich gelitten hat, ist sie für mich trotzdem das Nonplusultra: Wir begleiten hier Menschen mit Behinderung auf dem letzten Lebensweg."
Einer, der genau die entgegengesetzte Perspektive auf die Arbeit in dem außergewöhnlichen Haus hat, ist Nils Fischer. Er kommt aus der klassischen Altenpflege und arbeitete zunächst fünf Jahre lang bei einem Ambulanten Pflegedienst. „Ich würde aber nicht mehr zurückgehen", sagt er. „Hier im Haus Schild ist die Atmosphäre ganz anders, viel familiärer. Die Bewohner leben schon fast ihr ganzes Leben in sozialen Einrichtungen und fühlen sich hier zu Hause. Und die Menschen mit Behinderung sind total sensibel. Die meisten von ihnen können nur mit Gebärden kommunizieren. Aber sie merken gleich, wenn's einem mal nicht gut geht, kommen auf einen zu und trösten einen." Aufgrund des etwas großzügigeren Personalschlüssels, der der doppelten Herausforderung Rechnung trägt, Eingliederungshilfe und Pflege gleichzeitig zu erbringen, sei der Stressfaktor im Haus Schild auch geringer als im klassischen Pflegeheim, sagt Nils Fischer. Vor allem aber seien es die Menschen und das Team, die die Arbeit im Haus Schild einzigartig machten: „Hier kriegst du sehr viel zurück".

Haus Schild
Das Haus Schild ist eine Einrichtung der Behindertenhilfe der Zieglerschen. Als Haus mit sogenannter „Binnendifferenzierung" vereint es Leistungen der Eingliederungshilfe und der Pflege. Hauptkostenträger ist der Landkreis als Träger der Eingliederungshilfe, zusätzlich wird der pflegerische Anteil über die Pflegekassen finanziert.

 

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