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„Persönliches Budget“ - Mehr Selbstbestimmung für Menschen mit Handicap

08.11.2016 | Von Bernd Bouillon | Behindertenhilfe

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Gabriele Blum und Claudia Apel von den Ambulanten Diensten der Zieglerschen berichteten Anfang November im Gemeindehaus St.Fidelis in Sigmaringen zusammen mit Sabine Neufeldt vom Betreuungsverein SKM Zollern und Sandra Schauenburg, ehrenamtliche Betreuerin beim SKM Sigmaringen, von ihren Erfahrungen mit dem „Persönlichen Budget“.

Mit dabei war auch der Bruder von Sandra Schauenburg, Thomas.
Dessen Leben änderte sich vor 10 Jahren dramatisch. Damals diagnostizierten die Ärzte bei ihm eine Hirn- und Hirnhautentzündung.Thomas (Tommi) fiel damals ins Koma, und niemand wusste, ob der damals 28-Jährige jemals wieder aufwachen würde.Seit jener Zeit ist Thomas schwerstbehindert und an den Rollstuhl gefesselt. Seine Schwester Sandra ist seine rechtliche Betreuerin, und sie hat für ihren Bruder einen Weg gefunden, dass dieser sein Leben so gestalten kann, wie er es möchte.
„Persönliches Budget" heißt die Geldleistung, die beantragt werden kann.
Denn auch ein behinderter Mensch möchte am gesellschaftlichen Leben teilhaben, möchte einmal ins Kino oder Konzert gehen, Freunde treffen, eine Urlaubsreise machen, oder aktiv in einem Verein mitmachen.
Vielleicht möchte er im Erwachsenenalter auch aus dem „Hotel Mama" auziehen und wünscht Hilfe und Unterstützung für ein eigenständiges Leben. Hilfe beim Einkaufen, beim Kochen, beim Aufräumen, beim Saubermachen oder beim Wäschwaschen. Diese Hilfen kann er sich mit der Geldleistung, dem persönlichen Budget, „einkaufen". Natürlich nicht die oben erwähnte Urlaubsreise.Für die muss er, wie jeder andere auch, sparen.Aber die geschulte Begleitung für die Reise, die kann er dank des „Persönlichen Budget" einkaufen – so wie es Tommi über „Die Zieglerschen" macht.

Für viele der 25 Zuhörer war dies neu, und interessiert hörten sie dann von Sabine Neufeldt, wie ein Antrag für ein Persönliches Budget zu stellen ist.

Es beginnt zunächst mit der Bedarfserfassung, welche die Grundlage für das „Persönliche Budget" ist.
Zusammen mit seiner rechtlichen Betreuerin stellt der Betreute einen Antrag bei der zuständigen Behörde; in der Regel ist dies das Kreissozialamt.Auf dem Antragsformular kann der Betreute auch seine Wünsche frei formulieren. Diesem Antrag fügt der Antragsteller eine Aufstellung bei, in welcher genau beschrieben wird bei wem er seine Leistungen einkaufen möchte.Somit ist bekannt was es kostet, da die Preise beim Anbieter selbst erfragt wurden.
Die zuständige Behörde lädt dann zu einem Hilfeplangespräch in welchem dann über das Persönliche Budget beraten wird. Bei diesem Gespräch wird der Antragsteller von seiner Betreuerin (Budgetassistentin) oder einer Person seines Vertrauens begleitet. In disem Gespräch wird festgelegt, welche Ziele mit dem Budget erreicht werden sollen und welche Hilfen dafür eingesetzt werden können.Bei Einigung mit der Behörde wird eine sogenannte „Zielvereinbarung" abgeschlossen, in der alle genehmigten Leistungen aufgelistet sind. In dem darauf folgenden „Bescheid", den die Behörde zuschickt steht dann, dass das Persönliche Budget genehmigt ist, wofür es gezahlt wird, und wie hoch es ist.
Das Persönliche Budget wird dann monatlich überwiesen, und die rechtliche Betreuerin unterstützt den Betreuten bei der weiteren Planung und bei der Einteilung des Geldes.
Somit kann ein Mitbürger mit Handicap sein Leben so gestalten wie er es möchte – wie alle anderen Menschen auch.
Das Beratungsangebot wird gefördert durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg und dem SKM Diözesanverein Freiburg.

Für weitergehende Beratung oder Unterstützung:
SKM Zollern -Frau Sabine Neufeldt- Tel.: 07471-933240, Email:info@skm-zollern.de
Internet: www.skm-zollern.de

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