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Ein Garten für alle Sinne – ein Garten für Menschen mit Demenz

19.04.2016 | Von Nicola Philipp | Altenhilfe

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Sind stolz auf den neu geschaffenen Sinnesgarten: (v.r.n.l.) Dagmar Hennings, Fachliche Referentin der Zieglerschen; Ingrid Werner, Stellvertretende Hausleitung; Ulrike Wolf, Hausleitung; Peter Thibaut, „Die Bäumler Gartengestaltung“, Kathrin Bäuerle, Architektin

Bempflingen. „So und jetzt eröffnen wir den Garten, kommen Sie, Frau Müller, ich brauch sie“, sagte Hausleiterin Ulrike Wolf. Und zusammen mit zwei Bewohnerinnen mit Demenz, Elfriede Clas und Maria Müller lief sie zum Absperrband und hielt es, damit die beiden Bewohnerinnen es durchschneiden konnten. Damit war der „Garten für alle Sinne“ im Seniorenzentrum Bempflingen offiziell eröffnet.

Der Garten zeichnet sich dadurch aus, dass er auf die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner mit Demenz zugeschnitten ist. „Naturerlebnisse haben eine beruhigende und entspannende Wirkung“, so Dagmar Hennings, Fachliche Referentin der Zieglerschen. Der Garten ermögliche nun Bewegung ohne Hindernisse und spräche alle Sinne an. Es gibt eine Naschecke, in der auf Hochbeeten Stachelbeeren, Johannisbeeren und Himbeeren wachsen. Es gibt zwei Bereiche mit Kräutern zum Pflücken, Riechen und Probieren. „Es gibt hier nichts Giftiges und vieles, das essbar ist. Und wir wollten auch, dass zu jeder Jahreszeit etwas blüht oder grünt“, ergänzt Wolf. Ein Wasserelement plätschert beruhigend vor sich hin, gemütliche Bänke laden zum Verweilen ein. Wer aber aktiv sein möchte, darf selbst Hand anlegen und den Garten mitgestalten. „Alles braucht seine Zeit und muss wachsen“, sagte Frau Wolf und „wir haben auch noch ein paar Wünsche, dazu gehören zwei neue Tische, an denen auch unsere Rollstuhlfahrer gemütlich essen können, ein kleiner Pflanztisch und ein kleiner Geräteschrank.“

Der Musikverein Bempflingen spielte im Laufe der Feier auf, Hauswirtschaftsleiterin Sonja Merkle und Mitarbeiterin Sonja Hanke verwöhnten die Gäste mit alkoholfreiem Sekt, O-Saft und wunderbaren Schnittchen.

Den Garten geplant und gestaltet hatten Peter Thibaut und sein Team von „Die Bäumler Gartengestaltung GmbH“ aus Nürtingen und die Architektin Kathrin Bäuerle, die früher beim Stuttgarter Demenzsupport gearbeitet hat und Mitautorin des Buches: „Freiräume – Gärten für Menschen mit Demenz“ ist. Außerdem brachte das Leitungsteam Hennings, Wolf und Werner ihr fachliches Wissen und ihre jahrelange Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Demenz ein. Ein ehrenamtliches Trio, die Herren Konrad, Speier und Tröster, hatten vor Beginn der Umgestaltung in einer konzertierten Aktion den alten Garten gerodet, die vielen Pflanztröge geleert und all die Erde mit dem Anhänger abtransportiert. Sie wollen auch weiterhin den Garten pflegen und fachsimpelten am Ende der Feier eifrig mit Peter Thibaut über die beste Lösung für Rankhilfen an den Holzbögen.

Die Gartenumgestaltung wurde fast ausschließlich über Spenden finanziert, 338 Spender waren im vergangenen Jahr dem Aufruf der Zieglerschen gefolgt. Die TD Erwerbergesellschaft mbH aus Markdorf hatte sich mit 12.000 € beteiligt und ist damit größter Einzelspender.

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